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Sonntag, 5. November 2017

"Ein Blick genügt" - Tag - Rita-Fayas Brief




Von: Rita-Faya
An: Mace 


Betreff: Die Wahrheit

Lieber Mace,

kann ich überhaupt „lieber“ schreiben? Ich weiß es nicht, es scheint nicht zu passen und doch passt es perfekt. Es ist wie ein Paradoxon in sich selbst, genauso wie du es einer bist. In einem Moment bist du so liebenswert, so zuvorkommend und – Verzeihung – süß und sanft und im nächsten habe ich das Gefühl, als wäre dir unsere Begegnung egal.
Als wären Tany und ich nur eine gute Ablenkung von deiner Flugangst und sonst nichts.
Wahrscheinlich entsprechen wir nicht deiner gewohnten Gesellschaft – irgendwelche Topmodels statt alleinerziehende Mütter plus Töchter, was? Dabei hast du mit mir gelacht und mich mit diesen verdammt treuen Augen angesehen.
Findest du es fair, mich dann so zu behandeln – ohne ein Wort, ohne eine Geste vom Flughafen abzuhauen, als wäre da nichts zwischen uns gewesen? Nichts, das uns verbinden würde. Dabei war da dieses unschuldige, zarte Band zwischen uns, an das ich schon so lange den Glauben verloren habe. Und dann muss es ausgerechnet du sein, der das Gegenstück davon in seinen Händen hält?
Du bist ein Narr! Ein Idiot! Ein Mann, der kein Mann ist, weil er nicht zu seinen Gefühlen steht! Ist es dir peinlich, dich mit mir sehen zu lassen, weil ich mich nicht wie eines deiner Modepüppchen kleide?
Ja, ich bin das, was man in diesem Land einen „TomBoy“ nennt, der Kumpeltyp Frau, die sich eher wie ein Mann anzieht. Keine Kleider, weder kurz noch lang, keine hohen Schuhe – bei Gott, damit bricht man sich doch nur die Füße! – und keine langen Haare. Wozu soll ich mir die Mühe machen, wenn es auch kurz und praktisch geht?
Aber, und ja, Mace, es gibt ein verfluchtes Aber: Ich bin ich und ich finde mich schön so, wie ich bin. Wenn du mich nicht ansehen kannst, dann lass es. Widme dich jemand anderem, aber hör auf, stumm vor mir zu stehen und so zu tun, als wäre nie etwas gewesen. Als hättest du das Band zwischen uns nicht auch bemerkt.
Und Tany? Gott, wie dich mein Baby liebt! Das schon nach so kurzer Zeit und obwohl du uns beiden doch das Herz brechen wirst. Und das wirst du, das weiß ich, denn du bist ein Mann und Männer brechen nun mal Herzen. Besonders Profisportler wie du, ein Basketballstar in einer so beliebten und erfolgreichen Mannschaft. Glaubst du, ich weiß nicht, dass du nur lächeln brauchst und mindestens drei Groupies am Arm hängen hast?
Du bist und bleibst ein Idiot, der keine Ahnung von Gefühlen hat. Weißt du nicht, wie schmerzhaft es ist, als nicht gut genug angesehen zu werden, kaum dass sich deine Flugangst verflüchtigt hat?
Nein, Mace, ich kann dich tatsächlich nicht als „lieber“ ansprechen, sonst würde ich wahrscheinlich vor lauter verzweifeltem Lachen ersticken. Was weißt du schon von diesem Leben? Für dich läuft doch alles rund. Du bist ein Narr. Am liebsten würde ich dir noch vieles mehr an den Kopf werfen.
Aber diesen Brief wirst du sowieso nie lesen, also kann ich mir meine mir meine Zeit und meine Luft sparen. Eins sollte dir jedoch klar sein: Ich mag dich nicht mehr, du versnobte Puderquaste!

Rita-Faya, die verdammt angepisst von dir ist!





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